Hilfe, mein Kollege stinkt!

Es gibt Situationen im Alltag, da bleibt einem nichts anderes übrig, als die Nase zu rümpfen und die Luft anzuhalten. Vor einiger Zeit begegnete mir im Büro täglich ein Kollege, der immer einen unglaublich unangenehmen Geruch mit sich brachte. Um ehrlich zu sein: mein Kollege stank, dass einem der Atem stockte. Dieser Geruch blieb sogar, wenn er den Raum wieder verließ. Einzige Maßnahme gegen den Gestank: alle Fenster aufreißen und Stoßlüften. Immer wieder stellte man sich die Frage, ob man vielleicht etwas sagen und ihn darauf aufmerksam machen sollte, dass er wirklich sehr unangenehm roch. Ob es ihm wohl selbst nicht auffiel, dass alle fluchtartig den Raum verließen, sobald er auftauchte?

Irgendwann fasste ich all meinen Mut zusammen und gab ihm bei Gelegenheit eine Tüte mit Pflegeprodukten. Ein Deo, Duschgel, Bodylotion und sogar ein ganz schöner Duft waren darin. Ich sagte ihm, dass wir das gerade von einer Agentur zum testen bekommen hatten und ich dachte, dass ja auch ruhig mal Kollegen aus anderen Abteilungen neue Produkte ausprobieren könnten. Er freute sich sehr über meine Aufmerksamkeit – leider ohne den Wink mit dem Zaunpfahl zu verstehen. „Oh toll, da wird sich meine Mutter aber freuen!“ war die Reaktion. Ich versuchte noch, ihn davon zu überzeugen, wie toll es wäre, wenn er einfach mal alles ausprobieren könnte und mir am Ende erzählen würde, ob ihm die Produkte gefallen haben. Meiner Nase nach zu urteilen muss sich seine Mutter sehr über ein paar neue Pflegeaccessoires gefreut haben. Schade.

Auch bei der Süddeutschen Zeitung hat sich ein Redakteur schon einmal mit dem Thema beschäftigt. Wie sagt man jemandem, dass er stinkt? Man stelle sich mal vor, man würde selbst aufmerksam gemacht werden. Wie angenehm kann so eine Situation also sein? Sicher nicht mehr, als der Gestank selbst. Auch wenn ein Hinweis ja grundsätzlich einfach nur nett gemeint ist und als gut gemeinter Rat verstanden werden sollte, ist die Gefahr doch recht groß, den anderen zu verletzen. Allein ein persönliches Gespräch unter vier Augen ist die Lösung für alle Beteiligten, dies rät auch der Managementberater Rüdiger Klepsch bei Spiegel Online. Oberstes Gebot bei dem Umgang mit dem stinkenden Kollegen ist also absolute Diskretion, denn niemand sollte vor anderen Leuten bloßgestellt werden. Ein taktloses „Du stinkst“ sollte tunlichst vermieden werden. Nehmen Sie den Kollegen beiseite und sprechen Sie das Problem behutsam und ehrlich an – vielleicht sogar mit einem Tipp, was man selbst dafür tut, um gut zu riechen. Die Brigitte rät, sich selbst mit einzubeziehen und niemanden plump vor den Kopf zu stoßen.

Ich habe aus meinem Fehler mit dem obligatorischen „Hinweis durch die Blume“ gelernt. Wer schweigt, tut weder sich, noch dem müffelnden Kollegen einen Gefallen. Es gibt eben einfach Momente im Leben, da muss man mit Mut über seinen Schatten springen, so unangenehm hoch der Sprung einem auch erscheinen mag. Am Ende ist alles halb so wild. Und es ist doch umso schöner, wenn man gut riechende Kollegen um sich hat.

Herzlichst Ihre,

Annika Fromm

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